Verkehrsluftfahrt in Deutschland seit 1955

Kurzbeschreibung:
Die Germanwings GmbH ist eine deutsche Low-Fare-Airline, die sich zu 100 % im Besitz der Lufthansa befindet. Sie operierte bis Oktober 2015 eigenständig als Low-Cost-Carrier der Lufthansa. Der Markenauftritt des Lufthansa Kurzstreckenprodukts wurde dann auf Eurowings geändert. Seit 2016 ist Germanwings ein Wet-Lease-Betreiber für die Schwestergesellschaft Eurowings. Gelegentlich werden noch vereinzelt Flüge unter dem eigenen IATA-Code „4U“ durchgeführt, generell wird sonst aber die Eurowings-Kennung „EW“ genutzt. Seit April 2020 befindet sich Germanwings aber in der Abwicklung.

Werdegang:
1996
: Die Eurowings Flug GmbH wird als Tochtergesellschaft der Eurowings Luftverkehrs AG gegründet und führt fortan Charterflüge für Reiseveranstalter mit Airbus A319 durch.

2002: Eurowings Flug GmbH wird in Germanwings GmbH umbenannt. Erstflug am 27.10.2002 (CGN-ZRH), zuvor wird die Mannschaft von Schalke 04 von Dortmund nach Minsk mit einem Sondercharter geflogen. Mit 5 A319 wird der Flugbetrieb aufgenommen.

2003: Ein weiterer Hub wird am 15. September in Stuttgart (STR) eröffnet. Die Lufthansa möchte mit Germanwings den massiven Einzug von Ryanair, Easyjet und Co. in den deutschen Markt verhindert. Es werden aber im Gegensatz zur Konkurrenz keine „Wald- und Wiesenflughäfen“ bei einem günstigen Kostenapparat durch schlanke Buchungsstrukturen, günstige Gehaltsstrukturen und einem effizienten Verwaltungssystem angeflogen. Über 90% der Flugscheine werden über das Intenret verkauft. Airbus A320-200 stoßen zur Flotte.

2004: Im März wird eine Kooperation mit der britischen bmibaby geschlossen. Von AeBal/Spanair werden im Oktober zwei Boeing 717 versuchsweise gemietet, um die Streckentauglichkeit bis März 2005 zu prüfen.

2005: 20 Flugzeuge im Einsatz. Centralwings aus Polen wird im Januar Kooperationspartner. Im Juni wird in Berlin-Schönefeld (SXF) eine weitere Basis eröffnet, Im August folgt Hamburg (HAM). Für die Post AG werden im Nachtflugpostnetz zwischen Stuttgart und Berlin-Schönefeld Briefe befördert. Auf der Luftfahrtmesse Aersalon in Paris werden 18 A319 bestellt und auf weitere 12 Optionen gezeichnet. Sitzladefaktor 83%.

2007: Zu den Punkt zu Punkt Verbindungen werden nun auch Umsteigerflüge angeboten.

2008: Ein Low-Cost-Zusammenschluss zwischen TUIfly, Eurowings und Germanwings scheitert.

2009: Seit Januar befindet sich die Airline nun im 100%igen Besitz der Lufthansa.

2013: Zum 1. Juli startet die „neue Germanwings“ und übernimmt im Lufthansa-Konzern integrierten Aufgaben, indem Sie alle innerdeutschen und innereuropäischen Flüge der Lufthansa außerhalb der Lufthansa-Drehkreuze Frankfurt und München übernimmt. 4U erhält dafür weitere Maschinen ihrer Konzernmutter Lufthansa. Eine neue Bemalung und ein neuer Markenauftritt werden eingeführt. Darüber hinaus führt Eurowings Flüge mit Bombardier CRJ-900 im Auftrag von Germanwings durch. Das Servicekonzept wird im Rahmen der Neustrukturierung an das neue Konzept angepasst.

2014: Mehrere Streiks zur Beibehaltung von Pensionsalter und Pensionsansprüchen. Ende 2014 wird durch Lufthansa bekanntgegeben, dass der bisherige Verkehr mit weiteren Kostenreduzierungen zukünftig durch Eurowings komplett übernommen wird. Der 24. März wird der schwärzeste Tag nicht nur in der Unternehmensgeschichte der Germanwings sondern für den gesamten Lufthansakonzern. Flug 4U 9525 von Barcelona (BCN) nach Düsseldorf (DUS), ein Airbus A320-211(D-AIPX), zerschellt in den französischen Westalpen durch geplante Herbeiführung in suizidaler Absicht des Copiloten. 150 Menschen, darunter auch eine Schulklasse aus Haltern am See, finden den Tod. Am 24. und 25. März melden sich einige Besatzungen „not fit to fly“ und können ihren Dienst nicht antreten. Es kommt zu Ausfällen von Germanwings-Flügen in Berlin, Düsseldorf und Stuttgart.

2015: Der gesamte Lufthansa-Direktverkehr außerhalb der Flughäfen Frankfurt am Main und München wird nun von Germanwings betrieben. Im Oktober übernimmt die Eurowings die wirtschaftliche Verantwortung für Flüge und ist nun Vertragspartner der Passagiere.

2017: Germanwings soll aufgelöst werden, dem entgegenstehen aber ein mit den Interessensvertretungen der Arbeitnehmer ausgehandelter Bestandschutz bis Juli 2022 und Konzerntarifverträge. Auch beim LBA als Aufsichtsbehörde stehen noch gesetzliche Hürden im Wege.

2019: Der  IATA 2-Letter-Code (also das Airline-Kürzel) „4U“ wird im Frühjahr 2019 zugunsten des einheitlichen Kürzels „EW“ für Eurowings aufgegeben und findet nur noch auf Sonder-, Charter und Leerflügen sporadisch Anwendung.

2020: Die Corona-Pandemie lähmt weltweit den gesamten Flugverkehr. Eurowings reduziert den Flugplan um 90%, hiervon ist auch Germanwings betroffen. Die gesamte Germanwings-Flotte wird darauf hin kurzfristig stillgelegt. Am 24. März findet der offizielle letzte Germanwings-Flug im Auftrag von Eurowings auf der Strecke Hamburg – München statt. Auseinandersetzungen zwischen Konzernvertretern und Gewerkschaften bzw. Belegschaftsmitgliedern dauern an.

2021: Das Luftbetreiberzeugnis (AOC) für Germanwings besteht derweil weiter. Alle 6 Monate sind somit kommerzielle Flüge rechtlich erforderlich, deshalb finden in diesem Turnus wenige Flüge mit Nachtpost statt und auch wartungstechnisch bedingte Ferry-Flüge werden soweit notwendig durchgeführt. Die meisten Piloten werden zur Eurowings transferiert. Allen Kabinenmitarbeitern wird die Kündigung ausgesprochen. Eine Gruppe klagt dagegen, da sie meinen, dass der Betrieb der langjährigen Lufthansa-Tochter im neuen Gewand fortgeführt wird. Lufthansa hält dagegen, dass der Betrieb schon seit längerer Zeit ruht.

Quellen: TUI, airliners.de, D-AVIA – Luftfahrtarchiv

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